Die Fettabsaugung wurde in den 70er Jahren von französischen Ärzten entwickelt. Damals benutzte man sehr großkalibrige Kanülen (bis 2 cm im Durchmesser), weil man glaubte, nur auf diese Weise Fett absaugen zu können. Bedingt durch die Größe der Kanülen hatten die Chirurgen große Probleme mit Nachblutungen. Im Laufe der Jahre wurden die Methoden verfeinert und die Kaliber der Kanülen kleiner. So benutze ich heute Kanülen mit einem Durchmesser von nur noch 2,1 und 3,0 mm. Der amerikanische Plastische Chirurg Jeffrey Klein entwickelte die heute allgemein bevorzugte, sog. "Tumescence-Methode". Tumescence bedeutet Überfluten: physiologisches Kochsalz mit den Zusätzen Xylocain und Adrenalin wird in das Fettgewebe eingespritzt. Durch diese technischen Verbesserungen hat man heute das Nachblutungsproblem weitgehend gelöst.
Es gibt verschiedene Methoden, Fett abzusaugen:
• Die oben beschriebene und von mir bevorzugte Tumescence-Methode.
• Die sog. "trockene" Methode, bei der Fettgewebe direkt und unverdünnt abgesaugt wird.
Sie ist oft verbunden mit Nachblutungsproblemen und wird von Plastischen Chirurgen nicht mehr angewendet.
• Die Ultraschall-Methode.
Hierbei ist die Kanüle an ein Gerät angeschlossen, das sie in eine Schwingung im Ultraschallfrequenzbereich bringt. Dabei wird quasi das Fettgewebe zerstört, bevor es abgesaugt wird. Bei dieser Methode kann es zu Verbrennungen kommen, vornehmlich im Bereich der Haut und des Fettgewebes.
• Ferner wird von der Industrie ein Kanülensystem angeboten, bei dem sich die Kanüle reziprokal (vorwärts-rückwärts) bewegt. Diese Methode soll laut Hersteller die chirurgische Arbeit vereinfachen, ändert aber nicht die Methode an sich.
• Geforscht wird noch an der sog. nicht-invasiven Ultraschall-Methode.
Dabei wird das Fettgewebe nach der Tumescence-Methode unterspritzt, und der Chirurg fährt mit einem Ultraschallgerät wie mit einem Bügeleisen über das Areal, wobei sich dann das Fettgewebe auflösen und vom Körper abgebaut werden soll. Diese Methode ist noch nicht anwendungsreif.
• Noch in der Entwicklung ist ein Gerät mit einem in der Kanüle integrierten Wasserstrahler, der das Fettgewebe zerstört und dadurch das Absaugen erleichtert.
Der ideale Patient für eine Fettabsaugung ist nicht der "dicke" Patient, der sein Gewicht reduzieren will, sondern der "schlanke" Patient mit Fettgewebs-Disproportionen, z.B. ein Patient mit schlankem Oberkörper bei dickem Gesäß und dicken Oberschenkeln, oder sportlich aktive Menschen mit resistenten Fettpolstern.
Die Fettabsaugung ist eine "blinde" Operationsmethode. In der Regel verwendet der Chirurg einen großen Schnitt, um sich anatomisch zu orientieren, oder er benutzt eine Optik, so im Bauchraum ein Laparoskop und im Gelenkbereich ein Arthroskop.
Bei der Fettabsaugung werden nur kleine Stichinzisionen (ca. 5mm lang) angelegt. Durch diese kleinen Schnitte führt man die Kanüle "blind" ins Fettgewebe ein und tunnelt es fächerförmig in verschiedenen Ebenen und von verschiedenen Winkeln. Das Fettgewebe kann man sich nach der Absaugung vorstellen wie einen Schwamm. Diese Tunnel brauchen dann einige Zeit (Wochen, Monate), um sich zusammen zu ziehen. Deshalb sind die endgültigen Ergebnisse dieser Operation auch erst nach dieser Zeit zu bemerken. Da diese Methode "blind" ist, kann es eher zu Asymmetrien und Dellen kommen.
Die besondere chirurgische Kunst ist es dabei, die Tunnelungen des Fettgewebes so zu führen, dass natürliche, ästhetische Formen z.B. von Gesäß oder Beinen geschaffen werden. Dazu bedarf es großer Erfahrung.
Bei den meisten dieser Operationen liegt der Patient im "Dämmerschlaf" und unter lokaler Betäubung. Der Patient ist auf dem Operationstisch überwachungsmäßig angeschlossen an das EKG (Elektrokardiogramm), Sauerstoffsättigung und Blutdruckmanschette. Außerdem wird eine intravenöse Infusion gelegt. Je nach Umfang der OP erhalten Patienten ein Antibiotikum, dann wird ihnen ein starkes Schmerzmittel (Dipidolor, ein semisynthetisches Morphin) und ein Beruhigungsmittel (Valium) verabreicht. Schließlich wird das zu operierende Areal mit der Tumescence-Lösung unterspritzt, die auch ein Lokalanästhetikum (Xylocain) enthält.
Die Operationszeit bei Fettabsaugung liegt je nach Umfang zwischen einer und drei Stunden. Bei größeren Eingriffen bleiben die Patienten über Nacht in der Klinik und kommen nach einer Woche zur ambulanten periodischen Nachkontrolle.
Risiken:
Bei einer ästhetischen Operation gibt es keine Erfolgsgarantie. Ein angestrebtes ästhetisches Ergebnis kann nicht garantiert werden. Die Risiken bei dieser Operation sind: Asymmetrie, Blutungen, Infektion, Hautverfärbung, Sensibilitätsminderung, Wundheilverzögerung, Verletzung tieferer Strukturen wie Muskeln, Darm, Blase, Leber usw
Die oben benannten geringen Risiken vermindern sich freilich weiter, je erfahrener und talentierter der Chirurg ist.
Bilder:
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